HIV / Aids

Stigma und Diskriminierung sind Haupthindernisse zu wirkungsvoller HIV/AIDS-Bekämpfung. Furcht vor Diskriminierung kann Menschen bei der Suche nach AIDS-Behandlung oder Inanspruchnahme des HIV-Testes hindern.

Nur wenn Stigma und Diskriminierung wirkungsvoll bekämpft werden, kann der Kampf gegen HIV /AIDS gewonnen werden [UNAIDS].

 

 

Fallbeispiel

  • 22.12.2002 - Ein nasskalter Wintertag
  • Der ausgezehrte Körper, auf Grund eines Wasting-Syndroms, gehört einem an Aids erkrankten Mann, der bis vor einem Jahr als Gebietsleiter von Asien und Balkan in einem bekannten Reiseunternehmen beschäftigt war. Seit 7 Wochen liegt er wegen einer schweren Lungenentzündung und Epilepsie in einer Spezialklinik für HIV.
  • Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle machten das Legen einer PEG-Sonde zwingend notwendig.
  • Hier im Pflegeberatungsbüro erhält Herr W. eine ausgiebige Beratung über häusliche Pflege und alle Versorgungsmöglichkeiten zu Hause. Ängste und Sorgen werden besprochen. Herr W. entscheidet sich für Hilfe von der Pflegestation Netzwerk.

 

  • 01.02.2003
  • Dreimal am Tag erhält Herr W. pflegerische Unterstützung von den Pflegekräften des Netzwerks. Herr W. ist nicht in der Lage, seine Medikamente und die 3er-antiretrovirale Therapie selbst zu bestellen bzw. zu sich zu nehmen; die Medikamente müssen über PEG gegeben werden. Herr W. ist in einer HIV-Studie und muss 3x-täglich subkutan gespritzt werden. Ein Ernähungsberater wird bestellt und er bespricht mit Herrn W. und den Pflegekräften einen Ernährungsaufbauplan über die PEG-Sonde. Krankengymnastik und Ergotherapie werden zweimal in der Woche organisiert.
  • Der Freund von Herrn W. lebt in Japan und ist beruflich sehr eingespannt, er kann leider nicht kommen. Mitarbeiter von Netzwerk vermitteln einen ehrenamtlichen Besuchsdienst von der Berliner AIDS-Hilfe. Herr W. will es sich mit dem Besuchsdienst überlegen, lehnt aber nach 2 Tagen ab.

 

  • 01.03.2003
  • Herr W. benötigt zusätzlich nächtliche Versorgung, durch immer wieder auftretende Durchfälle und Übelkeit mit Erbrechen (die ganze Nacht). Zusätzlich wird eine unklare Zunahme von zäher Schleimbildung in Lunge, Hals und Mundbereich (Erstickungsgefahr) festgestellt. Die Stimmungslage von Herrn W. wechselt stark, aber überwiegend befindet er sich im Zustand einer tiefen, inneren Trauer.

 

  • 01.05.2003 - Ein schöner Frühlingstag
  • Feste Bezugspflegerin beobachtet weiteren Gewichtsverlust, Soor und beginnende Sehschwäche. Eine sofortige ärztliche Therapie wurde eingeleitet.
    Herr W. möchte seine Wohnung nicht mehr verlassen und zieht sich immer mehr in sich zurück. Hat Herr W. sich aufgegeben? Keine privaten Besuche seit 2 Monaten. Er lehnt die Krankengymnastik ab und möchte auch die Sondenernährung nicht mehr. Herr W. reagiert bei Sondengabe mit heftigen Durchfällen. Wasser, Tee und Medikamente werden weiter über die Sonde gegeben. Herr W. hat zwar Heißhunger auf verschiedene Lebensmittel, aber alleine der Geruch lässt ihn schon erbrechen.

 

  • 01.06.2003
  • Herr W. möchte wieder rauchen und bittet um Zigaretten. Das Pflegepersonal hilft beim Halten der Zigarette wann immer Herr W. es wünscht. Stündliche pflegerische Versorgung ist zwingend notwendig geworden.

 

  • 01.07.2003
  • Herr W. ist bei vollem Bewusstsein, die inneren Organe leiden unter zunehmender Funktionsschwäche und -störungen. Atemnot, Schwindelgefühle, Durchfälle, Erbrechen, Hypotoniephasen, Angstzustände. Herr W. möchte diese s.c. Therapie nicht mehr.

 

  • 14.07.2003 - Unerträglich heißer Sommertag
  • Beine und Arme dick mit Flüssigkeit angeschwollen. Laute Atemgeräusche hörbar.
    14:15 h, Herr W. wünscht eine Zigarette, nimmt nur einen Zug.
    15:30 h, Herr W. schaut das Pflegepersonal lange an und sagt: "Danke".
    15:45 h, die 24 stündliche Pflege und Betreuung endet mit Herzstillstand.

 

  • 15.07.2003
  • Telegramm aus Japan: Der Freund kann zum Geburtstag von Herrn W. am 14.07.2003 leider nicht kommen, leider keine Zeit!

 

 
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